Antrag der Ratsfraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und DIE LINKE zur Entfernung/Umgestaltung des Fritz Michel Denkmals

Stadtratssitzung vom 22.4.2021

Beschlussentwurf:
Der Stadtrat möge beschließen: Die Verwaltung wird beauftragt,

  1. dem Kulturausschuss zeitnah einen Vorschlag zu machen, wie mit dem Denkmal des Chirurgen und Gynäkologen, Heimatforschers und Kunsthistorikers Dr. Dr. h.c. Fritz Michel, der in der Zeit des Nationalsozialismus schwere Schuld auf sich geladen hat, vor dem Evangelischen Stift im Rahmen einer historischen-kritischen Auseinandersetzung weiter verfahren werden soll,
  2. das Denkmal umgehend zu entfernen, sofern an dem bisherigen Standort vor dem Evangelischen Stift eine solche historisch-kritische Auseinandersetzung nicht adäquat möglich sein sollte,
  3. alle zur Umsetzung der Ziffern 1 bzw. 2 notwendigen Schritte – wie beispielsweise die Klärung der Eigentumsfrage am Denkmal oder der zu berücksichtigenden Rechte des damals beauftragten Künstlers – zu unternehmen und im Kulturausschuss sowie gegebenenfalls auch im Haupt- und Finanzausschuss zu berichten.

Begründung:
Fritz Michel mag sich als Historiker und Kunsthistoriker verdient gemacht haben, viel schwerer wiegen seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das Brechen des Hippokratischen Eides. In den Zeiten des Naziregimes hatte Fritz Michel, als Chefarzt des Evangelischen Stifts St. Martin in Koblenz, hunderte Zwangssterilisationen und Schwangerschaftsabbrüche zu verantworten. Statt, wie es der Hippokratische Eid fordert, Leben zu schützen, hat er durch Abtreibungen Leben genommen und Menschen zwangssterilisiert. Unter den Folgen litten die Opfer teils lebenslang. Im Zuge der „Rassenhygiene“ hat er unsägliche Verbrechen gegen Menschen begangen und es wirkt wie Hohn, dass Besucher*innen des Evangelischen Stiftes, das Denkmal bei jedem Besuch passieren müssen. Der Stadtrat hat mit Beschluss vom 15.05.2020 die Ehrenbürgerwürde für Dr. Dr. h.c. Fritz Michel aberkannt. In der Konsequenz sollte auch das Denkmal vor dem Stift, in seiner jetzigen Form, entfernt werden. Ein Verbringen in ein städtisches Museum und die entsprechende historisch – kritische Aufarbeitung des Denkmals könnte dazu beitragen, dass hier ein weiterer Lernort zu den Verbrechen des Nationalsozialismus in unserer Stadt entstehen kann.