Fritz-Michel-Denkmal soll umgestaltet werden

Der Stadtrat folgt in seiner Sitzung am 22. April der Empfehlung, die Verwaltung zu beauftragen, einen Vorschlag zum Umgang mit dem Fritz-Michel-Denkmal vor dem Evangelischen Stift zu erarbeiten und dem Kulturausschuss vorzustellen. Zuvor hatten die Fraktionen der GRÜNEN, der SPD und der Linken eine historisch-kritische
Auseinandersetzung mit dem Fritz-Michel-Denkmal beantragt.

Für die Fraktion der GRÜNEN erklärt Ute Görgen: „Fritz Michel mag sich als Historiker und Kunsthistoriker verdient gemacht haben, viel schwerer wiegen seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das Brechen des Hippokratischen Eides. In den Zeiten des Naziregimes hatte Fritz Michel als Chefarzt des Evangelischen Stifts St. Martin in Koblenz hunderte Zwangssterilisationen und ungewollte Schwangerschaftsabbrüche zu verantworten. Statt, wie es der Hippokratische Eid fordert, Leben zu schützen, hat er durch Zwangsabtreibungen Leben genommen und Menschen zwangssterilisiert. Unter den Folgen litten die Opfer teils ein Leben lang.“

Die antragstellenden Fraktionen sind der Meinung, dass das Denkmal auf keinen Fall unverändert weiter an diesem Standort stehen kann, zumal der Stadtrat die Ehrenbürgerschaft für Dr. Fritz Michel bereits im Mai 2020, auf Antrag von Linken, Grünen und SPD, aberkannt hat. Die GRÜNE Ratsfraktion begrüßt, dass sich die Verwaltung schon in der Vergangenheit mit der Geschichte des Denkmals und einer möglichen Veränderung, die der historischen Wahrheit entspricht, auseinandergesetzt hat und dazu in Gesprächen mit Vertreter*innen unterschiedlicher Einrichtungen und Akteuren aus der konstituierten Runde Erinnerungskultur in Koblenz, des Ev. Stifts und der Ev. Kirchengemeinde ist.

Wie die Verwaltung in ihrer Stellungnahme zu dem Antrag ausführt, haben Gespräche mit dem Künstler, der das Denkmal Ende der 1980er Jahre geschaffen hatte, bereits mehrfach stattgefunden. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Prof. Eberhard Linke ist die heutige Kritik an der Errichtung des Denkmals bekannt und er erklärt sich mit einer möglichen Umgestaltung einverstanden. Prof. Linke hat angekündigt, bis zum Herbst einen Umgestaltungsentwurf zu erarbeiten sowie einen Kostenplan zu erstellen. Dieser Vorschlag sollte aus Sicht der Verwaltung bei der final zu treffenden Entscheidung Berücksichtigung finden.“

„Wir legen Wert darauf, dass bei einer möglichen Umgestaltung des Denkmals insbesondere der Opfer gedacht wird“, so das GRÜNE Ratsmitglied Detlef Knopp.