Antrag der Ratsfraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen: Photovoltaik auf Vereinsgebäuden und neue Möglichkeiten der lokalen Stromnutzung – Chancen für Koblenzer Vereine

Stadtrat vom 28.05.2026

Beschlussentwurf:
Der Stadtrat möge beschließen, die Verwaltung zu beauftragen:

  1. zu prüfen, wie Koblenzer Vereine bei der Errichtung und dem Betrieb von
    Photovoltaikanlagen auf ihren Gebäuden unterstützt werden können,
  2. die aktuellen und absehbaren rechtlichen Rahmenbedingungen im Energiebereich –
    insbesondere im Hinblick auf neue Modelle der lokalen Stromnutzung (z. B. Energy
    Sharing) – sowie steuerliche Fragestellungen für gemeinnützige Vereine darzustellen,
  3. gemeinsam mit den Stadtwerken Koblenz, der EVM sowie weiteren relevanten Akteuren zu
    prüfen, welche Möglichkeiten sich perspektivisch für die Umsetzung entsprechender
    Modelle in Koblenz ergeben,
  4. darzustellen, wie eine niedrigschwellige Beratung und Begleitung von Vereinen zu diesem
    Thema organisiert werden kann (z. B. durch zentrale Ansprechpersonen oder
    Informationsangebote),
  5. zu prüfen, ob sich einzelne Standorte für mögliche Pilotprojekte eignen,
  6. dem Stadtrat zu gegebener Zeit über die Ergebnisse zu berichten.
    Begründung:
    Die Koblenzer Vereine leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen
    Zusammenhalt, das ehrenamtliche Engagement sowie das soziale und sportliche Leben in unserer
    Stadt. Gleichzeitig stehen viele Vereine vor wachsenden finanziellen Herausforderungen, etwa
    durch steigende Energiepreise, Instandhaltungsbedarfe und allgemeine Kostenentwicklungen.
    Photovoltaikanlagen auf Vereinsgebäuden bieten hier eine doppelte Chance: Sie können zur
    Reduzierung laufender Energiekosten beitragen und perspektivisch zusätzliche
    Einnahmemöglichkeiten eröffnen. Damit stärken sie die Eigenständigkeit und Zukunftsfähigkeit der
    Vereine und entlasten mittelbar auch die kommunalen Haushalte.
    Parallel dazu befindet sich der energierechtliche Rahmen aktuell im Wandel. Auf europäischer
    Ebene ist die gemeinschaftliche Nutzung von lokal erzeugtem Strom („Energy Sharing“) bereits seit
    mehreren Jahren vorgesehen und in anderen Ländern – etwa in Österreich – erfolgreich umgesetzt.
    Dort zeigen zahlreiche Projekte, dass Vereine, Kommunen und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam
    zur lokalen Energieversorgung beitragen können.

    In Deutschland werden derzeit die rechtlichen Voraussetzungen hierfür weiterentwickelt. Das
    „Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Stärkung des Verbraucherschutzes im
    Energiebereich sowie zur Änderung weiterer energierechtlicher Vorschriften“ hat den Bundesrat am
  7. November 2025 passiert. Weitere Konkretisierungen, insbesondere durch die
    Bundesnetzagentur, stehen noch aus. Nach derzeitiger Einschätzung ist eine praktische Umsetzung
    entsprechender Modelle voraussichtlich ab dem Jahr 2026 zu erwarten.
    Auch steuerrechtlich haben sich zuletzt Veränderungen ergeben. Im Zuge des
    Steueränderungsgesetzes 2025 wurden Erleichterungen für gemeinnützige Vereine im
    Zusammenhang mit dem Betrieb von Photovoltaikanlagen beschlossen, sodass diese künftig
    grundsätzlich als unschädlich für die Gemeinnützigkeit eingeordnet werden können.
    Diese Entwicklungen eröffnen neue Möglichkeiten, sind jedoch für einzelne Vereine aufgrund der
    Komplexität der rechtlichen, technischen und organisatorischen Anforderungen nur schwer
    eigenständig zu überblicken. Insbesondere Fragen der Abrechnung, der Einbindung in bestehende
    Netzstrukturen sowie der organisatorischen Umsetzung erfordern fachliche Unterstützung.
    Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, dass die Stadt Koblenz frühzeitig eine
    koordinierende und unterstützende Rolle einnimmt. Ziel ist es, Transparenz über die sich
    entwickelnden Rahmenbedingungen zu schaffen, relevante Akteure zu vernetzen und Vereinen eine
    Orientierung zu geben.
    Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Vorfestlegung auf konkrete Modelle, sondern um eine
    strukturierte Vorbereitung auf absehbare Entwicklungen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit
    dem Thema ermöglicht es, Chancen rechtzeitig zu erkennen und bei Bedarf erste Pilotansätze zu
    entwickeln.
    Insgesamt kann die Stadt Koblenz damit einen Beitrag leisten, das Ehrenamt nachhaltig zu stärken,
    lokale Wertschöpfung zu fördern und die Energiewende praxisnah und bürgernah vor Ort zu
    unterstützen.